Zu Ansbach am 26.01. 1459
Seine Erinnerungen, die immer mächtiger in ihm wurden, ließen ihm keine andere Wahl. So begab er sich zum Friedhof, um nach einem bestimmten Grab zu suchen. Der Friedhof hatte sich verändert, war zugewachsen.
Schlimm, dachte er, als er einige Gräber von denen entdeckte, die er einstmals kannte. Seine Erinnerungen gaben keine Ruhe. Selbst kleine Begebenheiten tauchten vor seinen Augen auf.
Nach geraumer Weile und vielem kreuz und quer entdeckte er eine, von Ranken überwucherte Statue. Sie war unter dem Pflanzenwerk so verborgen, dass er zunächst nur hoffte, dass es die Grabstätte war, die er suchte.
Je mehr er die Statue befreite, umso hastiger wurden seine Bewegungen. Er hatte das Grab gefunden. Je deutlicher die Figur zu erkennen war, umso sicherer wurde er. Nun verlangsamte sich sein Befreiungswerk. Seine Gedanken begangen ihn zu ergreifen. Ab und zu hörte er sich leise schluchzend murmeln: „Nur ein paar Tage früher und alles wäre anders geworden, Lilli."
Nach vollendeten Werk fiel er auf die Knie und klagte: „Lilli, Lilli! Warum nur? Warum nur hat es das Schicksal so gewollt. Lilli, Lilli, warum bist du gegangen? Habe ich dir so weh getan? Ich habe es doch nicht mit Absicht getan, Lilli. Ich wusste und konnte es doch nicht wissen, bis du dich mir offenbartest.“
Seine Stimme erstarb. Langsam erhob er sich, wischte achtlos über seine dreckverschmierten Knie, wendete sich ab und ging mit gesenktem Kopf in Richtung des Friedhofstor.
