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Ein Wiedersehen nach langer Zeit

Zu Ansbach am 25.01.1459

Daggi schlenderte heute geradewegs vom Rathaus zum Markt, sie musste heute ein paar Einkäufe erledigen. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, versuchte sie dem regnerischen, kalten Wetter entgegenzuwirken.
Plötzlich sah sie einen jungen Mann auf dem Weg vom Markt kommend, der ihr doch sehr bekannt vorkam. Konnte sie ihren Augen trauen? War er es wirklich? Sollte sie ihn ansprechen? Natürlich musste sie ihn ansprechen, wenn er es war, er war doch ein Freund!
Also ging sie auf ihn zu...Bit, Bit...bist du es wirklich? Mein lieber Freund, du bist heimgekommen? Ich freue mich ja so, dich zu sehen! Und schon umarmte sie ihn herzlich und Tränen der Freude liefen ihr übers Gesicht...
Hast du schon eine Unterkunft? Ich biete dir nur zu gern ein Gästezimmer in meinem Haus an. Seit Piper nicht mehr da ist, ist es eh immer so leer und still...

Bit stutzte als er eine weibliche Stimme seinen Namen rufen hörte. Nicht aufdringlich war das Rufen sondern es war eher das Ausrufen eines Namens, der lange nicht ausgesprochen worden war und der aus den Tiefen der Erinnerung heraus gerissen wird.
Die Stimme erkannte er sofort wieder. Er schob die Kapuze seiner Mönchskutte vom Kopf und gab damit den Blick auf ein Gesicht frei, indem die lange Reise, deutliche Spuren hinterlassen hatte.

Im Umdrehen sprach er leise und mit merkwürdig belegter Stimme: „Daggi? Du?“

Er trat auf sie zu, nahm sie in seine Arme, hob sie, ihre Umarmung freudig erwidernd, etwas an und drehte sich mit ihr im Kreis herum: „Daggi, ich freue mich so sehr gerade Dich zu treffen. Bist du doch die Erste, die von meiner Rückkehr Notiz genommen hat.“

Mit Müh und Not gelang es ihm, den Überschwall seiner Gefühle im Zaum zu halten und konnte es dennoch nicht verhindern, dass ihm die Augen wässrig wurden.

„Daggi,“, sagte er mit bebender Stimme, „ich würde Dein Angebot nur allzu gerne annehmen aber ich kann es nicht. Nicht sofort und nicht heute. Ich wohne derzeit bei einem Bauern vor den Toren Ansbachs. Dort, wo ich meine Graue untergebracht habe. Für unser beider Unterkunft habe ich mich bei ihm, für ein paar Tage noch, verpflichtet für ihn zu arbeiten. Habe bitte Verständnis für mich.“

Er ließ sie langsam zu Boden gleiten, hielt sie noch für einen Augenblick, ihr ins Gesicht sehend, in seinen Armen.

Mit etwas bestürzter und zugleich in einem tröstenden und Bedauern ausdrückendem Tonfall fragte er: „Piper? Piper, deinen Liebsten gibt es nicht mehr? Daggi, Daggi,“, hauchte er, „Warum haben es Schicksal und Glück nicht gut mit Dir gemeint. Es tut mir so leid für dich.“

Tief durchatmend, löste er langsam die Umarmung, gab ihr verschämt ein Küßchen auf die Stirn. „Entschuldige mich jetzt bitte, ich muss langsam weiter.“

Er machte ein paar Schritte rückwärts, lächelte ihr warm und freundlich zu, drehte sich langsam um und ging in die Gasse hinein, die ihn aus dem Dorf führte.