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Rivella

Wie immer, wenn Bit sich in aller Früh aufmachte, um seinen Fron zu leisten, führte sein Weg über den Marktplatz hinaus auf die Felder oder in die Bergwerke. Bit gefiel das bunte Treiben und manche der Marktfrauen blickten ihn hin und wieder mit einem so seltsamen Gesichtsausdruck an, dass es ihm mulmig wurde und er gesenkten Blickes das Weite suchte.

„He Bit“, rief eine, „Komm doch mal her und helf mir die Körbe vom Karren zu hieven.“ Eine andere rief: „Willst einen Apfel?“ und beugte sich so weit über ihre Auslagen, dass Bit nicht umhin konnte und seinen Blick schamhaft senkte.

Er konnte schlecht nein sagen und half immer bei solchen Gelegenheiten. Was häufig dazu führte, dass er verspätet bei seinem Fronherrn eintraf. Das war nicht sonderlich gut und sorgte für Verdruss. Aber Bit konnte nicht anders handeln und er ging unverdrossen immer wieder über den Markt. Er half hier mal. Er half dort mal.

Eines schönen Frühlingstages, der Mai ging seinem Ende entgegen, bemerkte er eine junge, brünette Frau, die mit tiefgründig blauen Augen in die Welt schaute. Ihre hellbraunen Haare, die leicht wellig fast bis auf die Schulter fielen, umrahmten ein leicht ovales Gesicht. Das Gesicht war mit einer zierlichen, kaum gebogenen Nase und einem Mund geschmückt, der immer leicht zu schmollen schien. Sie saß so da, zwischen ihren hölzernen Löffeln, Gabeln, Tellern, Schalen, Eimern und allem, was ein Haushalt so braucht, wie eine Statue, die sich kurz ausruhte.

Bit war so beeindruckt von dem sich ihm darbietenden Anblick, dass er nicht bemerkte, wie sich sein Schritt deutlich verlangsamte. Verstohlen schaute er zu ihr hinüber. Aber im Gegensatz zu den anderen Marktfrauen würdigte sie ihn kaum eines Blickes. Wenn doch, dann hatte er den Eindruck, als wenn sie spöttisch an ihm hinabblickte. Bit verdross es nicht, war ihm doch der Anblick Geschenk genug.

Die Tage flossen dahin und Bit fühlte sich immer heimischer. Seine Hütte hatte er notdürftig repariert und es regnete nur noch hindurch, wenn ein schweres Gewitter über das Land zog. Wenn es nicht gerade in der Nacht war und ein Gewitter heraufzog, dann lief er, so schnell er konnte, in die nächste Schänke, um im Trockenen zu sein.

An einem der letzten Tage im Mai war es mal wieder soweit. Ein Gewitter zog herauf und er flüchtete in eine Schänke. Der Schankraum war nahezu ausgefüllt, nur ein Platz in einer abgelegenen Ecke war frei. Nicht weit von ihm erblickte er, zu seiner Überraschung, die junge Marktfrau. Sein Herz begann höher und höher zu schlagen, als er immer wieder verstohlen nach ihr schielte. Doch schien sie seine Blicke nicht zu bemerken.

Dennoch meinte er, die Andeutung eines flüchtigen Lächelns über ihr Gesicht huschen zu sehen. Sie blieb nicht lange. Kurz nachdem das Gewitter abgezogen war, stand sie auf, ging zur Tür, winkte und warf ihm einen Blick aus ihren blauen Augen zu, der ihm durch und durch ging.

Wenige Tage später, es war der 03. Juni im Jahre des Herrn 1457, betrat sie erneut den Schankraum. Nur, dieses Mal musste sie, notgedrungen, neben ihm Platz nehmen. Sein Herz klopfte so laut, dass er glaubte, sie könne es hören. Er lud sie zu einem Getränk ein und ganz entgegen seinen Erwartungen nahm sie die Einladung lächend an.

Bit war so überrumpelt davon, dass er vor lauter Aufregung, so wie er annahm, nur dummes Zeug brabbelte. Umso mehr erstaunte es ihn, dass sie blieb und ihn ermunterte, weiter zu reden. Sie stellten sich gegenseitig vor und er hörte sich immer häufiger ihren Namen aussprechen. Rivella hieß sie.