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Trennungen

Die Tage vergingen wie im Fluge. Einer war schöner als der andere. Sie trafen sich so oft, wie es ihre Zeit zuließ.

Sie plauderten miteinander, lächelten sich an, erzählten von ihren Geschichten und musizierten miteinander, wobei Rivella sang und Bit sie begleitete.

Einige Male überraschte sie ihn, wenn er musizierend in einer Taverne auf ihr Kommen wartete. Er war häufig so in sein Spiel vertieft, dass er nichts um sich herum wahrnahm.

Erst wenn der letzte Ton verklungen war, applaudierte sie leise und kam geschmeidigen Schrittes auf ihn zu.

Der milde Sommer, das Musizieren und ihr Plaudern erzeugten eine Atmosphäre, die beider Herz verzauberte. Dennoch sind sie nicht so eng aufeinander zugegangen, als dass sie sich dafür hätten schämen oder sich etwas vorwerfen müssen.

Rivella war zu dieser Zeit noch mit einem gewissen Lordironman verlobt. Davon hatte sie Bit am ersten gemeinsamen Tag berichtet, und so kam es, wie es kommen musste.

Eines Tages erschien ihr Verlobter, beschimpfte sie und veranstaltete einen solchen Ärger, dass selbst Rivella und ihre Freunde ihn nicht zur Räson bringen konnten.

Lordironman geriet oft wegen seines Jähzorns in missliche Lagen. Rivella erzählte Bit, dass er auch Fremde zutiefst beleidigte. Letztendlich führte das dazu, dass Lordironman vor Gericht geschleppt und enthauptet wurde. Rivella traf das sehr tief, denn so gestand sie Bit, sie hatte ihn sehr, sehr geliebt.

Während dieser Tage rieten Rivellas und Bits Freunde ihm, sich aus allem rauszuhalten und die Schänken zu meiden.

Bit zog sich daraufhin ins Kloster zurück und grübelte darüber, warum er, obwohl er es besser wusste, sich ihr erneut genähert hatte. Er machte sich schwere Vorwürfe, fühlte sich am Tode Lordironmans mitschuldig, redete mit anderen darüber und fand dennoch keinen Trost.

Er fragte nach den Gründen und Motiven. Niemand gab ihm befriedigende Antworten. Als er Rivella danach befragte, erzählte sie ihm nur, dass er einen hohen Adligen beleidigt haben solle, dass er ihr vorgeworfen habe, sie sei schuld an der Anzeige vor Gericht bzw. sie ihn verraten hätte. Weiter ließ sie sich nicht darüber aus.

Bit konnte es nicht glauben, dass das alles war. Weder Rivella noch die anderen, die vorgaben, seine Freunde zu sein, äußerten Konkretes.

In diesen Tagen suchten sie einander, um sich gegenseitig zu trösten. Er sie, weil er ihre Trauer und Erschütterung spürte, und sie ihn, weil sie ihm das Gefühl der Schuld nehmen wollte. Nach und nach, wenn auch nur zögerlich, kehrte die verzaubernde Atmosphäre zurück, die sie erneut in ihren Bann schlug.

Mit jedem Mal kamen sie sich ein wenig näher, und dennoch war da eine Hürde, über die sich beide nicht hinwegtrauten.

Manchmal saßen sie nur still beieinander, manchmal berührten sich ihre Hände wie zufällig. Hin und wieder flüsterten sie sich etwas zu und ließen dem anderen den Hauch des Atems spüren. Bit hielt sich mit aller Macht zurück. Gerne hätte er sie vor lauter Glück und Freude in seine Arme geschlossen, aber er war unsicher darüber, ob sie es zulassen und sich freuen würde. So unterließ er es, wagte es nicht, sich zu öffnen und sich ihr zu zeigen. Auch das Wissen darum, dass er sie oft allein lassen musste, machte es ihm schwer, sich ihr anzuvertrauen. Längst war ihm bewusst, dass er in Rivella, mit allem, was er war, verliebt war.

Eines schönen Abends, sie saßen auf einer Bank vor einer Schänke im wärmenden Sonnenlicht, spürte Rivella, dass ihn etwas bedrückte, dass er etwas mit sich herumschleppte, und drängte ihn ermutigend, sich zu öffnen.

Nur zögerlich sprudelte es aus seinem Mund: „Rivella, ich werde Dich immer mal wieder für Tage, ja sogar Wochen verlassen müssen. Ich habe Kontrakte mit den Mönchen, die ich erfüllen muss, um nicht auf dem Scheiterhaufen zu enden.“

Rivella lachte: „Ach, mein süßer Tollpatsch, was machst Du Dir für Sorgen. Ich warte einfach auf Dich, bis Du zurückkommst.“

Bit schaute ihr fassungslos in die blauen Augen und versuchte in ihnen zu lesen. Was meinte sie damit, fragte er sich in Gedanken. War sie etwa auch in ihn ...... er hielt den Atem an und wagte nicht einmal, den Gedanken fortzusetzen.

Stattdessen erhob er sich; die tief im Westen stehende Sonne warf ein liebliches Licht auf ihr Gesicht.

Schwalben jagten laut kreischend um die Wassermühle herum. Rivella hob an, etwas zu sagen. Bit legte ihr sanft lächelnd den Zeigefinger auf die Lippen. Fassungslosigkeit und doch auch Verständnis lagen in ihren Augen.

Mit zwei langsamen, rückwärtigen Schritten entfernte er sich von ihr, nahm ihr Abbild in sich auf und drehte sich um, um dem Weg zum Kloster zu folgen.

Ein leises Schluchzen hinter ihm ließ ihn stillstehen. Noch einmal drehte er sich um, sah Rivella in der Tür stehen und wie sie sich verstohlen Tränen aus ihren Augen wischte.

Er war unfähig, sich zu rühren, noch etwas zu sagen. Nach einem Augenblick des Zögerns schaffte er es, sich schweren Herzens von ihrem Anblick loszureißen und der Biegung des Weges zu folgen. Er führte ihn vorbei an blühenden Wiesen und Feldern, stetig hinauf zum Kloster. Seine Gefühle und Gedanken waren ein kunterbuntes Durcheinander und wirbelten umher wie Herbstlaub im Wind.