Mainz am Dienstag 05. Ostermond 1459
Bit war nach einem geruhsamen Ritt im Mainz angekommen. Er brachte seine Graue vor der Stadt bei einem Bauer unter. Gut gelaunt und mit Frühlingsgefühlen im Bauch, zog er durch die Gassen. Merkwürdig, dachte er, das soll die Hauptstadt des Fürstentum Mainz sein? Hatte er versehentlich einen falschen Weg eingeschlagen und war gar an einen anderen Ort gelangt? Auf dem Markt fragte er einen Händler. Dieser bestätigte, dass dies Mainz sei und flüsterte ihm zu: „Hier ist es so ruhig, leise und still, weil der Bischof im Ort weilt. Tagsüber darf deshalb nicht eine Schänke offen sein. Aber unten“, der Händler wies in eine Richtung, „am Hafen vor den Toren der Stadt, da könnt's ein zünftiges Bier bekommen.“ Hinter vorgehaltener Hand flüsterte der Händler weiter; „Und nicht nur das! Habe gehört, dass da dralle Weiber die Kerle bedienen.“ und machte dabei ein, Bit zum Mitwisser machend, vielsagendes Gesicht. Bit kaufte ihm ein Laib Brot und ein geräuchertes Würstchen ab, das der Händler Landjäger nannte. Von dem Würstchen ein Stück abbeißend und Stücke vom Brote brechend, schlenderte Bit in die Richtung, die ihm der Händler gewiesen hatte.
Es war kein sonderlich schöner Tag. Der Himmel war mit grauen Wolken bedeckt, die nahezu keine Konturen aufwiesen. Enttäuscht stellte er fest, dass nur ein, relativ großes Segelschiff am Kai lag. Keine Planken, die üblicherweise, wie er schon vielfach auf seinen Reisen gesehen hatte, führten zum Schiff hinauf. Nur ein kleiner Zettel, der an der Bordwand geheftet war, flatterte im Wind. Bit ging drauf zu und las:
Was?“, rief er laut. „Eine Überfahrt kostet 500 Taler?! Dafür bekomme ich in Ansbach ein Häuschen nebst Gemüsegarten.“ Noch enttäuschter als beim ersten Blick auf den Hafen, drehte er sich um und ging in eine der Kaschemmen die ganz in der Nähe waren. Er war froh niemanden zu sehen außer diesen griesgrämigen, mürrischen, alten Wirt. Zumindest war das Bier erschwinglich und einen Fensterplatz gab es auch. Er setzte sich dahin, schaute hinaus auf den verlassenen Kai, an dem das Segelschiff langsam auf und nieder wippte.
Anm. des Redakteurs: Bit hatte noch nie eine Schiffsreise miterlebt. Immer langte das Geld nicht dafür. Wer weiß, was er angestellt hätte, wenn viele Schiffe dort vor Anker gelegen hätten.

