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Rothenburg

Rothenburg am Freitag 06. Wonnermond 1459

Bit war müde, sehr müde. Er schleppte sich mit den Packtaschen ab. Wenn er versuchte sie der Grauen über zu legen, dann blieb sie einfach stehen. Ein merkwürdiges Gespann waren sie. Ein Mann mit geschulterten Packtaschen und ein Pferd, dass dem Mann hinter her trottete. Zu seinem Unglück gesellte sich auch noch die Tatsache dazu, dass er sich wieder einmal verlaufen hatte. Blöde Karte, dachte er.
Die Nacht brach herein und ihm blieb nichts anderes übrig das nächste Gebüsch als Unterkunft zu wählen. Er haute sich hin, fand aber weder Ruhe noch Schlaf. In Hall war er zur Botenstation gegangen. Ihm wurde ein Bilderbuch in die Hand gedrückt. Mehr haben wir nicht, sagten sie. Er blätterte neugierig darin herum. Vertiefte sich in die Bilder, versuchte sie zu interpretieren. Es gelang nicht. Er wusste, woher das Bilderbuch kam. Wollte glauben, was die Bilder ausdrückten und ein Lächeln umspielte sein Gesicht. Alles wird gut, dachte er.
Während er so langsam vor sich hin döste, verschmolzen Bilder und seine Gedanken zu einer Melodie, die er vor langer, langer Zeit gespielt und gesungen hatte. Ja, er hatte nicht nur gespielt sondern auch dazu gesungen. Aber irgendwann sagte mal eine oder einer: „Belasse es beim Spielen.“ Seitdem hat er nie wieder gesungen.
Er verfiel in einen unruhigen Schlaf. Immer wieder wachte er zwischendurch auf, lauschte dann den Geräuschen der Nacht, um dann wieder dahin zu dämmern.
Eine Amsel weckte ihn. Der Morgen graute und er brach auf. Nichts wahr mehr in seinen Packtaschen. Kein Brot, kein Obst, einfach nichts. Selbst der Wasserschlauch war leer.
Elendig fühlte er sich. Ist es das, was ich will, fragte er sich. Auch die Graue stand mit hängenden Kopf nicht weit von ihm.
„Komm!“, flüsterte er leise, „Lass uns gehen.!“
Ohne sich drum zu kümmern, ob sie ihm auch folgte, schulterte er die Packtaschen und stapfte los. Die Graue folgte ihm. Er hörte es. Hörte ihr Schnauben und auch das Rasseln ihres Atems.
In einer Anwandlung aus Ehrfurcht und Respekt vor dem Tier, drehte er sich um, ließ alles fallen und kraulte ihr zwischen den Ohren.
„Halte durch, treue Kameradin, bald sind wir zu Hause.“
In der Frühe, eine Uhr schlug die neunte Stunde des Tages an, befand er sich hinter den Mauern von Rothenburg.
Gegen Mittags kehrte er ein, nahm ein Mahl zu sich, dachte über die dahinsiechende Reisekasse nach, was ihn aber nicht störte als die Tür aufging und sich eine Namens Leilah zu ihm gesellte. Nach kurzer Vorstellung und nach einer Weile betretenen Schweigens holte sie tief Luft und fragte ihn geradewegs ob er sie nach Hall begleiten könnte.
Weil sie dies mit einem sehr lieben Blick und aller Höflichkeit sagte, konnte er nicht nein sagen. Knapp und kurz antworte er: „Heute noch?“ Sie nickte. Später stellte sich dann noch heraus, dass sie nach Hause, nach Nürnberg wollte. Bit war es recht. Nur allzu gerne würde er sie dort hin begleiten, denn …...

Anm. des Redakteurs „Hier brach Bit die Aufzeichnung wohl ab“