Bit war mit einer bunt zusammen gewürfelten Reisetruppe am frühen Morgen in Ravensburg angekommen. Es war grauer und ein regnerischer Tag, der seiner Laune nicht zuträglich war. Lustlos besorgte er sich auf dem Markt 'nen Kanten Brot und ging dann, wie er es schon einmal gemacht hatte, am Brot knabbernd durch die Gassen von Ravensburg. An einer Kneipe vorbei schlendernd, kehrten Erinnerungen an jenen Tag wieder als er auf Julie traf. Jene Julie, die sich auf der Stelle in ihn verliebte und mit ihm nach Süden los zog. Auch er verliebte sich in sie. Nur leider, bemerkte er es erst in aller Deutlichkeit als er sie sterbend in Solothurn in seinen Arm hielt.
Er schüttelte seinen Kopf, um die Gedanken an jene Tage zu vertreiben.
Während der Kanten immer kleiner wurde kam ihm Issa in den Sinn. Stimmt, dachte er, Ravensburg war ihre neue Heimat.
Er fragte sich durch und sah alsbald ein schmuckes Patrizierhaus, welches an einem kleinen See stand.
Issa, dachte er, du hast es zu was gebracht. Ganz im Gegensatz zu mir, der ich immer das geblieben bin, was ich einmal war.
Beeindruckt von dem Gebäude ging er langsam um den See herum und zögerlich auf die Eingangstür, ach was rede ich da, auf das Eingangsportal zu, zu der hinauf eine trapezförmige Freitreppe führte, die sich nach oben hin verjüngte.
Nun denn, murmelte er und bestieg die Treppe.
...
Bevor er den Klopfer anheben wollte, zögerte er einen Augenblick. Wieder tauchten Bilder aus seiner Vergangenheit auf. Ob er wollte oder nicht, sobald er Issa sah oder auch an sie dachte, entstand das Bild ihrer Zwillingsschwester Lillimellita. Der Moment damals in Ansbach als er der schüchternen und auch ängstlichen Lilli das kommunizieren beibrachte haftete in ihm, wie als wenn es gestern gewesen wäre und Issa's Bild, wie sie kurz nach dem Tode ihrer Schwester in ihrer roten Kleidung in Ansbach weilte, gesellte sich dazu.
Unvergesslich war das alles.
…
Er stieß hörbar die Luft aus, griff zum Klopfer und ließ in fallen. Laut prallte er auf das Holz und der Hall dröhnte ins Haus hinein. Nach geraumer Zeit öffnete sich das Portal und ein uniformierter Lakai fragte ihn, was er den wolle und wer er sei und warum er denn nicht den Dienstboteneingang benutze.
Bit wollte den Lakai gerade übers Maul fahren, besann sich aber seiner guten Erziehung und reichte ihm mit den Worten, das ist ein Geschenk an eure Herrin, dass ich von einem Herrn namens Bit überbringen soll.
Der Lakai nahm es mit gerümpfter Nase und schlug mit den Worten, er hat seinen Dienst getan, nun möge er schleunigst das Anwesen verlassen sonst würde er die Hunde auf ihn hetzen, das Portal zu.
Bit lachte sich ins Fäustchen, wenn der wüsste, wen er da vor sich gehabt hatte, der würde das kein zweites Mal machen.
Er drehte sich und schlenderte ausgelassen fröhlich den Weg, den er gekommen war zurück in den Ort.

