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Zu Eichstädt, 19.06.1460

Es war schon recht spät und ich dachte noch vor Anbruch der Dunkelheit, Ingolstadt zu erreichen aber – ihr glaubt es kaum - .
Ich musste wohl auf dem Bock meines Wagens richtig tief eingeschlafen gewesen sein. Als ich wach wurde, sah ich, wie sich der Weg über eine Hügelkette hinweg auf eine Stadt zuschlängelte. Der Weg kam mir ziemlich bekannt vor, aber das Ingolstadt noch so weit weg sein würde, hätte ich nun wirklich nicht angenommen. Je näher wir kamen, umso deutlicher war zu erkennen, dass es nicht Ingolstadt war auf das ich zuhielt. Es war Eichstädt. Oha, rief ich verwundert. Das kann doch einfach nicht war sein, rief ich so laut hinterher, dass selbst die Braune mit ihren Ohren zu spielen begann.
Zurück nach Ingolstadt machte nun keinen Sinn mehr, denn ich konnte froh sein,  wenn ich den  Rastplatz am Eichstädter See noch vor der  Dunkelheit erreichte.
Man, dachte ich. Da hast du im falschen Momnen gepennt. Da gibt es nämlich, wenn man aus Richtung Augsburg kommt, kurz vor Ingolstadt eine Weggabelung. Ist eine sehr markante Stelle. Der eine Ast der Gabelung führt weiter nach Nordosten Richtung Eichstädt und der andere fast in entgegengesetzter Richtung auf Ingolstadt zu.
Prost Mahlzeit, jetzt bestimmte auch mein Gaul, wo es längst geht und nur, weil ich einen Moment nicht aufgepasst habe, Zugegeben, es war ein recht langer Moment aber eben doch nur ein Moment.
Mensch Mädel, sprach ich zu der Braunen, willst wohl nach Hause? Ich gab mich drein.
Im letzten Tageslicht erreichte ich den Rastplatz am See, den ich immer belegte, wenn ich in Eichstädt war.
Das Lager war schnell errichtet und ich hockte, über das Missgeschick brütend am Lagerfeuer. Obwohl mich recht viele in Eichstädt kannten und ich sie auch gerne wiedersehen mochte, hatte ich nicht so die richtige Lust in den Ort zu marschieren. Denn ich erinnerte mich an das letzte Mal als ich hier war. Anderntags musste ich seitlich aus der Tür raus, so brummte mir damals mein Schädel.



Ansbach, 20.Juni 1460

Obwohl ich in aller Früh los fuhr, wurde die Fahrt nach Ansbach doch länger als ich angenommen hatte. Den ganzen Morgen regnete es unaufhörlich bis in den späten Nachmittag hinein. Der Weg war derart aufgeweicht, dass wir nur mühsam vorwärts kamen. Ich schützte mich so gut es ging vor der Nässe. Ich hatte mir unterwges sogar einen breitkrempigen Filzhut beschaft, der wundersame Weise das hielt, was mir der fliegende Händler zugesichert hatte. War sündhaft teuer gewesen, dass Teil.
Tatsächlich, ich behielt ein trockenes Haupt. Nur das sich in der Krempe das Wasser sammelte und wenn es zuviel wurde, dann schwallweise heruntelief, hielt ich für einen Konstruktionsfehler. Aber, und das sprach wieder für den Schlapphut, ich konnte damit Regenwasser aufsammeln und es trinken. Doch 'ne geniale Erfindung.
Mein Braune dampfte und glänzte, wenn es die Sonne mal schafte, kurz hinter einer Wolke hervor zu lugen und der Regen etwas nachließ. Sie hatte schwer zu kämpften und keuchte mitweilen so schwer, dass ich öfter anhielt, um ihr eine Rast zu gönnen.
So ging es fast bis in den späten Nachmittag hinein. An manchen Stellen war der Weg so aufgeweicht, dass ich nicht umhin konnte, nach vorne Hüh zu rufen und mich hinten gegen den Wagen zu stemmen. Dabei blieb es nicht aus, dass ich im Schlamm einsackte. Auch blieb es nicht aus, dass wenn sich der Wagen mit einem Ruck aus einem Schlammloch bewegte, ich der Länge nach, bäuchlings in den Modder fiel. Eine Stinkwut überfiel mich auf diesen verkorksten Sommeranfang. Meine beiden Garnituren waren jetzt derart versaut, dass wenn sie getrocknet waren, man sie ohne weiteres hätte senkrecht hinstellen können.
Aber irgendwie schafften wir es doch, wir beide, meine Braune und ich. Spät am Nachmittag hörte der Regen auf, der Weg wurde leichter und langsam wuchsen vor mir die Mauern von Ansbach in die Höhe.
Endlich war ich wieder daheim.