Nach seiner Genesung beschloss Bit, sein Leben in die Hand zu nehmen und den Ratschlägen der beiden Frauen, so gut es ging und so gut er konnte, zu folgen.
Um Taler anzusparen, aß er nicht jeden Tag. Er hatte eh selten Appetit und schmecken tat ihm das, was er auf dem Markt besorgte, auch nicht sonderlich.
So kam es, dass er auch manchmal an zwei bis drei aufeinander folgenden Tagen, nichts aß. Selbst den Mäusen, die mit ihm seine Bruchbude teilten, war das ein Gräuel. Sie blieben einfach weg. Dabei waren die zu jener Zeit seine einzigen Weggefährten.
Amüsiert beobachtete er sie, wenn sie aufgeregt piepsend zwischen den Brettern nach Brotkrümeln suchten, die er für sie ausgelegt hatte. Nach einiger Zeit wurden zwei von Ihnen so zutraulich, dass sie die Brotkrumen aus seiner Hand fraßen. Er redete auf sie ein und hatte dabei den Eindruck als ob sie ihm zuhörten. Wenn er nach geschafftem Tagwerk in seine Hütte zurückkehrte, saßen beide aufgerichtet auf einem an einer Wand angebrachten Brett und piepsten, so laut sie nur konnten. Hin und wieder, wenn er mal wieder vergessen hatte, sich Brot oder anderes zu besorgen, zeigte er Ihnen seine leeren Hände. Ihr Piepsen wurde daraufhin noch lauter und aufgeregter, so sein Eindruck.
„Schnick, schnack“, sagte er, „Heute ist mal wieder Schmalhans Küchenmeister.“ Manchmal, wenn er abends im untergehenden Licht der Sonne durchs Dorf schlich und hier und da mal durch ein Wirtshausfenster schaute und die Leute sah, die lachend und plappernd miteinander herzten, beschlich ihn ein Gefühl von Wehmut. Aber so wie er gekleidet war, traute er sich nicht dort hinein zu gehen. Erst als er ein paar Schuhe sein eigen nannte, ging er aufs Geratewohl in eine der Schänken am Ort.
Zum Glück, so fand er, war auch eine von den Frauen anwesend, die ihn gepflegt hatten.
Von alledem, was dort von den anderen gesagt oder getan wurde, verstand er nichts.
Er fragte sich zuweilen, ob er außer Latein noch eine andere Fremdsprache zu erlernen hätte. Wieder half ihm Daggi, so nannte er sie, auch diese Klippen zu umschiffen.
Dennoch, sein absolut sicherer Instinkt für aufgestellte Fettnäpfchen, ließ ihn immer wieder in peinliche Situationen hineinschliddern. Seine Gesichtsfarbe wechselte dann in rascher Folge von kalkweiß zum peinlichen Rot. Erst allmählich gelang es ihm, die schlimmsten Fettnäpfchen auszulassen und sich an den Gesprächen zu beteiligen.
Wie immer, wenn Bit etwas Spaß oder Freude machte, so übertrieb er es manchmal ein wenig. Er machte die Nacht zum Tage, trank häufig einen über den Durst, was ihm anderntags einen Brummschädel verschaffte, so dass er nur seitlich gehend aus der Tür kam. Aber das verdross ihn nicht. Er war begierig darauf, Leute kennenzulernen, mit ihnen zu plaudern und zu scherzen. Es bereitete ihm keine Mühe Kontakte zu knüpfen.
Er hatte so viele Fragen, dass es ihm mitunter peinlich war, die anderen damit zu belästigen.
Bit hatte sich in wenigen Wochen nach seiner Ankunft in Ansbach für seine Verhältnisse relativ schnell eingelebt. Die Menschen waren nett zu ihm und es gelang ihm auch zunehmend, die allzu grob aufgestellten Fettnäpfchen zu vermeiden. Er ging jeden Tag zum Rathaus, um sich die Stellenaushänge anzuschauen. Leider verhielt es sich so, dass er selten, eigentlich so gut wie nie, eine dieser Stellen ergatterte.
Es blieb ihm nichts anderes übrig als sich in den umliegenden Bergwerken zu verdingen oder für die örtliche Kirche zu arbeiten.
Es war ihm damals schlicht egal, woher er die notwendigen Taler zum Überleben bekam.