
Es war wieder ein Abend in Rottweil geworden und ich hatte es mir im Erkerzimmer gemütlich gemacht. Plötzlich hörte ich draußen Lärm und ich wollte wissen, was sich dort abspielte. Also sah ich zum Fenster hinaus. Draußen erkannte ich den Umriss dreier Personen. Eine Person sah von der Gestalt her aus wie Bit, dem ich ein paar Tage zuvor in einer Schänke mit Karana zusammen begegnet bin. Ich sah nochmal genauer hin und im schwachen Licht konnte ich ihn wirklich erkennen. Bei ihm zwei Wachen, die es offensichtlich nicht gut mit ihm meinten. Die Kerle machten keinen freundlichen Eindruck und packten ihn richtig an. Mein Gedanke war, Bit zu retten. So stürmte ich die Treppe nach unten und öffnete die Tür. Ich stemmte meine Hände in die Hüfte schnautzte den Kerlen zu: "Lasst den Herrn zufrieden, das ist mein Gast." Die Männer blickten zu mir auf und da sie mich wohl kannten, ließen sie von Bit ab und verschwanden zum Tor hinüber. Komm bitte herein, Bit! Ich wies mit ihrer Hand ins Hausinnere. Es war schließlich ein kalter Abend und ich wollte meiner ausgesprochenen Einladung nachkommen.
…
Hinter mir, die zwei Wachen waren zu irgendetwas wild entschlossen, wie unschwer an ihren Gesichter zu erkennen war, hörte ich, wie eine Tür knarrte und eine energische, weibliche Stimme, die beiden anschnautzte. Ich wagte es nicht mich umzudrehen, denn die beiden schienen mir unberechenbar. Froh war ich als sie kurz stutzten und sich dann in Richtung Tor trollten. Marielena, deren Stimme ich vernommen hatte, war gerade im richtigen Augenblick auf die Bühne getreten. Wer weiß, was die beiden sonst mit mir angestellt hätten. Sie bat mich hinein und ich folgte ihr. Sie zog die Tür hinter mir zu, begrüßte mich und bat mich an einen Tisch, der sich mir gegenüber in der Mitte des Raumes befand. Ich war beeindruckt von dem Raum und den schönen Möbeln. Wie ist der Alte nur daran gekommen, so was gab es doch nur in Herrschaftshäusern, dachte ich.
„Geht nur mal die Stiege hinauf und begebt euch in das Erkerzimmer, das am rechten Ende des Ganges ist.. Ich hole schnell noch etwas Bier aus der Schänke und dann können wir uns oben über alles unterhalten.“
So, wie sie es sagte, war sie auch schon zur Tür hinaus. Ich schaute mich um, fand die Stiege, die leise knarrte aber weniger steil und brüchig war als die meine, die zum Dachboden hinauf führte.
Ich öffnete die Tür und der Anblick, der sich mir bot, verschlug mir fast den Atem. Links von mir nahe beim Fenster stand ein wunderbar, gefertigter Sekretär, davor ein richtiger Stuhl. Neben dem Stuhl stand ein Notenständer, der voller Notenschriftstücke war. Weiter rechts befand sich ein Kanapee, an den eine Guitarra espanol angelehnt war. Der ganze Raum war von einem Flair, dass ich kaum in Worte fassen konnte.
Auf dem Sekretär erblickte ich einen versiegelten Brief. In großen Buchstaben prangten oberhalb des Siegels die Worte, An den Herrn Biterolf, genannt Bit.
Ich erbrach das Siegel und begann zu lesen:
Ich war wie vor den Kopf gestoßen als ich den Brief auf den Sekretär zurück legte. Konnte mich dieser Alte auch nach seinem Tode nicht in Ruhe lassen?
Um mich zu beruhigen, stand ich auf und riss dabei das Blatt vom Tisch. Es fiel mit der Schriftseite zu Boden und auf der Rückseite war auch was zu erkennen. Ich hob das Blatt hoch und sah eine säuberliche Aufstellung dessen, was sich im Sekretär befinden soll. Unter anderem ist besonders sein Tagebuch zu erwähnen.
Immer noch sehr aufgeregt, setzte ich mich auf den Stuhl und blätterte geistesabwesend in den Noten. Ein Stück nahm mich gefangen. Leise begann ich die Melodie zu summen, griff zur Guitarra und begann leise zu spielen.
