Ausgeruht aber gelangweilt erreichte ich Ingolstadt. Schon oft war ich da und hatte gute Freunde, ehrlichkeitshalber gestehe ich, Freundinnen dort.
Ich war darauf gespannt, wen ich wohl antreffen würde. Nur wenige traf ich, genau genommen zwei oder drei. Von ihnen erfuhr ich, dass Tatjana und ihre Familie bei einer Feuersbrunst elendig ums Leben gekommen sind. Das traf mich und verdarb mir den Abend, so dass ich übel gelaunt mir eine Bleibe für die Nacht suchte und ganz in der Früh gen Regensburg aufbrach.
Anscheinend hatte mich die Nachricht über Tatis Unglück so durcheinander gebracht, dass ich glatt vergessen hatte, mich mit genügenden Reiseproviant zu versorgen. Das war eine ziemliche Dummheit, wie sich später in aller Deutlichkeit heraus stellte.
Ich ritt den ganzen Tag über und als es dunkelte hatte ich Regensburg immer noch nicht erreicht. Ich suchte noch nach einem geeigneten Rastplatz für mich und die Braune und fand ihn als ich auf ein verfallenes Gebäude zuhielt. Ich zündete eine Fackel an, umrundete das Gemäuer und stellte fest, dass man nur durch das Loch an einer Außenwand in das Innere des Gemäuers gelangen konnte. Weit über die Hälfte der Ruine war in sich zusammen gefallen, verschüttet oder überwuchert. Ich leuchte durch ein dunkles, offenes, rechteckiges Loch.
Der Raum schien trocken. Kein Unrat lag herum. Ringsum an dem Wänden, etwa in Kniehöhe oder leicht darüber, verlief ein steinener Sims, der wie blank gefegt aussah.
Der Raum schien trocken. Kein Unrat lag herum. Ringsum an dem Wänden, etwa in Kniehöhe oder leicht darüber, verlief ein steinener Sims, der wie blank gefegt aussah.
Wozu hatte der Raum mal gedient, fragte ich mich. Konnte mir aber keine Vorstellung davon machen.
Einsetzender Regen ließ mir keine Wahl. Entweder nass oder im Trockenen frieren waren die Alternativen. Ganz gleich, wozu der Raum einst gedient hatte als Nachtlager würde er mir ausreichen. Ich warf meine Sachen durch das Loch, kroch hinein, bereite mir eine Schlafecke und war schon im Begriffe ein Feuer an zu zünden als mich ein lautes Knacken zusammen schrecken ließ. Blitzartig löschte ich die Fackel und es dauerte eine Weile bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Wieder ertönte von draußen ein Knacken. Diesmal etwas leiser als das davor.
Mich in eine Ecke drückend, mein Rapier fest im Griff starrte ich durch das Loch ins freie und versuchte die Dunkelheit zu durchdringen. Ein Schatten schob sich vor das Loch und verdunkelte den Raum vollends. Ich war mucksmäuschenstill, lauschte und starrte angestrengt und versuchte lautlos zu atmen.
Auf einmal vernahm ich ein Schnauben und erleichtert atmete ich tief durch und schallt mich einen Angsthasen. Vor dem Loch in der Wand grast meine Braune, dachte ich. Mich aus dem Loch beugend, langte ich hinaus und versuchte nach ihr zu greifen. Aber weit gefehlt. Ich griff ins Leere und wäre um ein Haar kopfüber aus dem Fensterloch gefallen.
Ich hob meinen Kopf an und blickte suchend die Schatten ab. Weit und breit war nichts zu erkennen.
War wohl ein dummer Spuk, den mir mein Hirn vorgegaukelt hatte, dachte ich und zog mich in meine Schlafecke zurück. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Zu sehr pochte mein Herz aus lauter Aufregung. Meine Augen hatten sich ans Dunkle gewöhnt und die Fensteröffnung hob sich deutlich von der Wand ab.
Wie lange ich gebannt auf die Öffnung gestarrt und den Klängen der hereinbrechenden Nacht gelauscht habe, weiß ich nicht mehr.
Noch vor Morgengrauen wachte ich aus einem schrecklichen Albtraum auf. Ich erinnerte mich, wie ich im Traum vor zwei schrecklichen Gestalten in eine kleine Höhle geflüchtet bin. Voller Angst blickte ich zum Höhleneingang und hoffte insgeheim, dass er für beide zu klein sei. Mit Pieken stocherten sie von außen in der Höhle umher. Erwischten mich aber nicht. Dann verschwanden sie und ich erwachte.
Ich beeilte mich, diesen ungewöhnlichen Raum und diese Gegend zu verlassen. Ich rief nach der Braunen, die wenig später auf mich zutrabte. Sie satteln und mich aufsetzen ging schneller vonstatten als sonst.
Als die Ruine fast ausser Sichtweite war, drehte ich mich noch einmal zu ihr um und vermeinte von dort ein leises Heulen und Jammern zu vernehmen. Mit gemischten Gefühlen versetzte ich die Braune in Trab und wir verschwanden in einen Tann.