Nun war es wieder soweit. Ich musste weiter ziehen. Mir war zu Ohren gekommen, dass Tatjana aus Ingolstadt, auch Tati gerufen, bei einem Brand samt ihrer ganzen Familie ums Leben gekommen sei. Die Beerdigung sollte kommenden Samstag auf dem dortigen Friedhof in Ingolstadt stattfinden. Ich kann also nicht anders, ich muss dahin, um ihr die letzte Ehre zu erweisen, dachte ich und beschloss kommenden Tages aufzubrechen und das mir so lieb gewordene Regensburg zu verlassen.
In Gedanken ließ ich alles noch einmal Revue passieren.
Was war so alle passiert? Tja, trotz der vielen Notizen konnte nur mein Gedächtnis helfen, wenn es denn so funktioniert, wie ich hoffe.
Am Tage der Abreise, oder war es der Tag zuvor ......? Egal, ich lernte einige kennen, die ich wahrscheinlich, nehme ich an, nicht vergessen werde.
Da war zum Einen ein lustiges, kleines Mädel, namens Gwain, das mich immer zum Schmunzeln brachte. Eine aufgeweckte, liebe Göre war sie von vlt. 11 oder 12 Jahren. Eine Schwester hatte sie, die ich aber nur kurz zu sehen bekam. Ja und seltsam, hin und wieder tauchte eine namens Tia auf aber verschwand auch wieder, so wie sie gekommen war.
Da war zum Einen ein lustiges, kleines Mädel, namens Gwain, das mich immer zum Schmunzeln brachte. Eine aufgeweckte, liebe Göre war sie von vlt. 11 oder 12 Jahren. Eine Schwester hatte sie, die ich aber nur kurz zu sehen bekam. Ja und seltsam, hin und wieder tauchte eine namens Tia auf aber verschwand auch wieder, so wie sie gekommen war.
Besonders erwähnens- oder bemerkenswert war, dass an zwei Abenden als ich noch Notizen für mein Reisetagebuch machte, eine hereinschneite, die ich zwischen 16 und 19 hielt. Also nichts für mich, zu jung, dachte ich. Dennoch, Namen spielen im Moment keine Rolle, tat sie das, was anderen nicht in den Sinn kam. Sie fragte mich. Ich sollte besser sagen, sie befragte mich. Selten ist mir jemand begegnet, der so nachhaltig fragte und es anscheinend genoss, meinen Antworten zu lauschen.
Bereitwillig gab ich Auskunft, erzählte von mir aber sehr eingeschränkt und von dem, was ich in der Ferne so erlebt habe.
Nun ja, solch Abende sind kurz, nicht langweilig aber enden auch oft mit offenen Fragen. Sei's drum, Fragen zu klären, dafür hatte ich alle Zeit der Welt.
...
Ich zog los als diese vermaledeiten Hähne schrien. Wie ich sie haßte, wenn ich unterwegs war. Am liebsten sah ich sie stumm als Brathändel am Spieß. Knusprig braun und schmackhaft.
Mir war klar, dass ich zwei Tage brauchen würde, um von Regensburg nach Ingolstadt zu gelangen. Heftiges Wetter tobte. Regen klatschte mir ins Gesicht und Wind zerrte an meiner Kleidung. Nicht noch einmal, sagte ich zu mir, machste dich um diese Jahreszeit auf die Socken.
Es dämmerte, wurde dunkel. Meine Kutte, die mehr Filz als Wolle war, schützte mich auch kaum noch vor der Nässe und dem Wind. Aber irgendwie war ich doch auf dem Rücken meiner Braunen eingenickt.
Als ich die Augen öffnete oder besser mein Bewußtsein zurückkehrte, sah ich vor mir einen Weiler, der geschützt in einer Mulde lag. Ich schüttelte den Kopf. Hier war ich noch nie vorbeigekommen obwohl ich die Strecke schon zigmal zurück gelegt hatte.
Die Umrisse wurden deutlicher. Vielleicht waren es sechs oder sieben Gebäude. Die meisten verfallen. Ich ritt den aufgeweichten Weg, der durch den Weiler führte, hindurch. Nichts rührte sich. Nur der Wind heulte und ab und an blinzelte der Mond durch eine Lücke in den jagenden Wolken.
Als ich den Weiler nahezu passiert hatte, sah ich den Umriss eines Gebäudes, das etwas abseits des Weges lag. Licht schimmerte aus diesem Häuschen nach draussen.
Es musste sein, meine Braune und ich, wir brauchten ein Nachtlager.
Ich hielt drauf zu und je näher ich kam umso düsterer wirkte das Haus, dass seltsamer Weise auf einem Hügel stand, der nur am Fuße mit Sträuchern und Gehölze bewachsen war. Der Rest nach oben, zum Haus, war kahl. Ab und zu beleuchtete der Mond von hinten die Umrisse des Hauses. Es war zweigeschossig und giebelig. Der Wind zerrte an einem Schild, dass über einer Tür im Wínd leise vor sich hin knarrte. Mit dem Licht, dass der Mond darauf warf, schien es mir als wenn ein holdes Gesicht mir zuwinkte.
Ich hatte keine andere Wahl. Entweder frieren oder im Warmen geborgen zu sein.
Ich stieg ab, schulterte die Packtaschen vom Pferd, gab ihr einen Klaps und flüsterte ihr zu: "Such dein Fressen selber Mädel."
Die Braune trottete davon. Ich schaute ihr nach, bis sie am Fuße des Hügels im Gehölze verschwand. Hätte mir das zu Denken sollen?
Ich klopfte an die Tür .... Nichts rührte sich und hörte ich. Nur der Wind ließ Schlagläden klappern in einem gleichmäßigen, monotonen Geräusch.
Tok .... tok .... tok.
Ich klopfte noch einmal, tok ... tok ... tok und vermeinte ein schlurfendes Geräusch zu vernehmen. Wer da?, glaubte ich gehört zu haben. "Ein Wandersmann, der einen Platz für eine Nacht sucht.", war meine Antwort.
Die Tür öffnete sich einen Spalt breit und Licht blendete mich.
Das rundliche Gesicht eines Mannes zwängte sich durch den Spalt. Eine Laterne wurde mir ins Gesicht gehalten. Ich war geblendet.
Die Laterne senkte sich und eine fast freundlich, warme Stimme sagte zu mir: "Kommt herein, so ihr kein Geist seid."
Er öffnete die Tür vollends. Der Regen, der zwischendurch verebbt war, wuchtete erneut gegen alles, was er bedecken wollte.
Mir blieb nichts anderes übrig. Ich musste hinein. Ich folgte diesem rundlichen Mann, der nicht viel kleiner als ich war, in eine kleine aber gemütliche Stube. Er wies mir einen Platz zu und ich nahm an.
"Was darf es sein?", fragte er mich aus rot umränderten Augen.
"Einen Wein vielleicht, einen roten und einen Happen Brot?", hörte ich mich antworten.
"Wein haben wir nicht."
Er brachte mir einen Brotteller, sogar mit Beilagen und einen Becher voller roter Flüssigkeit. "Könnt ihr das bezahlen?", fragte er mich, bevor ich zulangen konnte.
Ich warf ein paar Heller neben den Teller und er griff danach.
Ich hatte Durst und Hunger und es war mir egal unter welchen Umständen ich satt und zufrieden wurde als sich seine langende Hand in eine züngelnde Schlange verwandelte.
Ich hatte fast den ganzen Becher jenes roten Saftes geleert als ich in seine feuerlichtigen Augen blickte. Der Becher entglitt meiner Hand. Blutrot ergoß sich der Inhalt über den Tisch. Ich versuchte nach einem Messer zu greifen, um mich der Schlange zu erwehren, versank aber in Nebel.
...
Tok ... Tok .. Tok .. Tok
Wie lange mich das Geräusch zu wecken versuchte, ich wußte es nicht. So stürmisch der Tag zuvor war, so stürmisch begann er.
Ich wachte vollends auf und befand mich in einer Remise, die zu einer Seite hin völlig offen war.
Meine Braune stand unweit von mir und kaute vor sich hin. "Pferde sind wohl immer am Kauen.", dachte ich.
Mein Schädel dröhnte und ich versuchte, mich zu erheben. Etwas streifte mein Bein und ich spürte, wie blanker Stahl eine Streifwunde in meinen Oberschenkel schnitt.
Sofort war ich hellwach.
Ich hielt ein ein Hirschmesser in meiner ungeschickten linken, mit dem ich mir die Schnittwunde selbst zugefügt hatte. Verwundert betrachtete ich das Messer. Ich hatte es nie zuvor gesehen. Es gehörte nicht mir. Aber wie war es in meine Hand gelangt.
Nun, ich nahm es dem Messer nicht krum, dass es mich geschnitten hatte, denn mein altes hatte ich zerbrochen,
Hatte ich geträumt, fragte ich mich. Aber woher kam denn dieser Hirschfänger?
Ich schüttelte den Schlaf ab, erhob mich vollends und trat aus der Remise ins Freie.
Ich befand mich auf einem kahlen Hügel, zu dessen Füssen sich ringsums Gehölz erstreckte.

