Ein Sauwetter war es als ich zur Mittagszeit in Zwiefalten ankam. Zwischen Feldern ging es auf das westliche Stadttor zu. Eine Wache - merkwürdig, nur eine dachte ich sofort – lehnte mit vornübergebeugten Kopf am Torbogen. Man, dachte ich, endlich entdecke ich mal einen, der im Stehen schlafen kann. Oft schon hatte ich mir solch ein Vermögen erbetet. Aber nichts da, der Schöpfer gönnte es mir nicht. Ich grummelte, weil ich es dem Kerl da neidete.
Der Kerl wachte auf und weil er anscheinend froh war, etwas Abwechslung zu bekommen, versperrte er mir unnötigerweise mit seiner Hellebarde den Weg, denn meine Braune hatte längst angehalten. Schien ihr zur Gewohnheit zu werden, vor einem Tor ohne mein Zutun anzuhalten.
„Halt wer da. Was will er hier. Nennt mir euer Ansinnen.", rief er betont laut, wohl mir damit andeutend wollend, dass jetzt alle Kameraden Bescheid wüßten.
Ich fror, war durchnässt und hatte eine Laune der übelsten Sorte. Aber der Kerl amüsierte mich, weil er einen Satz auf Lager hatte, ich zitiere: „Nennt mir euer Ansinnen", den andere seiner Art nicht kannten.
Geduldig erklärte ich ihm alles und zeigte ihm sogar das Begleitschreiben, dass ich von unserem ehemaligen Bürgermeister bekommen hatte.
Das beeindruckte ihn nicht sonderlich, er wollte das volle Programm. Ich gab mich drein und wir beiden stiegen auf die Pritsche. Er öffnete jede Truhe, untersuchte den Sekretär und was sich sonst noch auf der Ladefläche befand.
Nach einer halben Ewigkeit, so schien mir, hatte er wohl genug. Wie man sich täuschen kann.
Er sprang von der Ladefläche und schaute sogar unter dem Karren nach. Ich war beeindruckt. So ist das also, wenn einer das volle Programm haben will.
Dann machte er einen Schritt zur Seite und deutete mit der Hellebarde in den Ort hinein.
Ich wollte gerade anfahren als mir einfiel, nach einem Platze für mein Gespann zu fragen.
War da ein Lächeln in seinem Gesicht?
„Fahrt auf den Platz vor euch, biegt dann nach rechts in die Bäckergasse ein und folgt dieser bis zum Ende. Fahrt durch das Osttor, haltet euch rechts und zwischen Gottesacker und Kaserne findet ihr, was ihr und euer Pferd braucht."
Ich dankte ihm. „Wartet", sagte er. Mit einem Stück Kreide malte er ein Zeichen auf die rechte Seite der Plane. „Deutet auf das Zeichen, wenn der Wachhabende am dortigen Tor was von euch will. Damit habt ihr freies Geleit."
Nochmals dankte ich und ließ die Braune los traben. Wie er gesagt hatte, der Platz war leicht zu finden. Auch die Wache am jenseitigen Tor ließ mich ohne viel Federlesens vorbei.
Ich suchte mir einen Platz unter einem Baum aus, der unmittelbar neben dem Friedhof war. Ich wollte etwas Abstand zur Kaserne haben, weil von dort zum Teil martialisches Gebrüll herüber schallte. Während hingegen vom Friedhof her, liebliches Vogelgezwitscher erklang.
Ich holte mein Kochgeschirr aus dem Wagen - da staunt ihr, was – auch sowas hatte ich mit, machte ein Feuer und mir eine warme Wassersuppe, dünn aber kräftig.
Ich hockte da an dem Feuer auf einem Schemel, ein Gegenstand aus Tibors Nachlass und löffelte meine Suppe aus, die ich mir eingebrockt hatte. Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Ich war's zufrieden, denn so allmählich trockneten auch meine Sachen.
Nach der Mahlzeit löschte ich das Feuer und verzog mich auf die Pritsche.
Ein Nickerchen in Ehren, kann niemand verwehren und schlummerte ein.
Nachdem ich zu neuen Taten ausgeruht war, kletterte ich von der Pritsche und rief meiner Braunen zu: „Hey, pass gut auf, das nix weg kommt." Na ja, auch ein Pferd braucht mal 'ne Ansprache.
Ich trödelte in den Ort oder war es eher ein Dorf? Es war schön angelegt, war sehr übersichtlich und hübsch anzuschauen. Groß war das Dorf ja nicht. Nach zwei, na ja eher drei Stunden hatte ich mir alles angesehen. Es war sehr ruhig. Es gab kaum Passanten. Jetzt verstand ich auch, warum es nur eine Torwache gab. Es gab offensichtlich nur wenige Einwohner, die zur Verfügung standen. Schade um das Dörfchen. Ich mochte seine stille Behaglichkeit.
Drei Schänken gab es. Allesamt waren nicht besucht. Ich entschloß mich also zum Wagen umzukehren und es des Abends noch einmal zu versuchen.