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Heimlicher Besuch am 07. Oktober 1459

Wieder eine Nacht in der man kaum wirklich eine Auge geschlossen hat und mehr vor sich hingedöst hatte, bis zu einem Zeitpunkt, wo's dem Mädel akzeptabel erschien, wieder aufzustehen. Jetzt zur 8. Stunde des Morgens war sie schon zwei Stunden wach, die Katzenwäsche war vollzogen, das Haar gerichtet und ein frisches dunkles Kleid aus der Reisetruhe gezogen worden. Etwas kichern musste Alice nun schon, als sie vorsichtig durch die nebeligen Gassen Ansbach strich, sich auf den Weg gen Marktplatz machte. Mira hatte ihre Hand fest umschlossen und tapste an der Seite ihrer Mutter entlang. Wieder ging dem Rabenschopf dass Herz auf, als sie ihre Tochter beobachte, die mit dem dunklen Schopf und in wilden Locken, wie ein Spiegelbild ihrerselbst wirkte, nur die meerblauen Augen schienen diesen Eindruck zu stören; wobei das Weib selbst alles an dem Kleinkind als perfekt empfand.
"Mama, da da da" brabbelte der Mini-Rabenschopf munter vor sich her und als Alice jetzt den Blick hob, um zu schauen, was die Aufmerksamkeit Miras erregt hatte, musste sie grinsen: Vor ihnen versuchte ein Bauer aus den umliegenden Dörfern mit seinem Karren voll Rüben, um die Ecke zu biegen. Doch blieb es wohl mehr beim Versuch, denn der Ochse vor dem Karren schien keinen fußweit weiterlaufen zu wollen; durch das wilde Rangieren war der Rübenberg gefährlich verrutscht und einzelne Knollen waren schon auf den Boden gekullert. "Ja, mein Schatz, ich sehe die Rüben auch.", antwortete der Lockenschopf nun lachend und nickte zufrieden. Der Markplatz und damit auch Bits Häuschen konnten nicht mehr weit sein.

Nochmals wurd' um die Ecke gebogen, dann liefen die beiden Damen an Kirche und Marktplatz vorbei gen Süden, um vor Haus 83 stehen zu bleiben. Nochmals schöpfte der Rabenschopf tief Luft, dann wurd' das Geschenk auf die Schwelle zu dem noch die Nachricht, welche sie früher am Tag vorbereitet hatte, gelegt.


Lieber Bit,

danke für's Zuhören. Ein kleines Geschenk von mir, mit dem du es dir gemütlich machen kannst, während du von der nächsten Reise träumst. Der kleine Drachen A.
Erstaunt wurd' der Blick der meerblauen Miras, als sie sah, wie ihre Mutter erst den Schinken geschleppt hatte, aber noch größer wurden die Augen, als dieser jetzt einfach abgelegt wurd'. "Komm mein Herz, lass uns in die Wälder gehen..." sprach Alice zu ihrer Tochter, wohlwissend, dass Mira in absehbarer Zeit von ihr auf den Arm genommen werden müsste, weil sie müde wurd'. Ein amüsiertes Lächeln umspielte jetzt die Lippen des Weibes, die vorerst letzte Begegnung der beiden Reisewütigen sollte wohl so enden wie die erste. ~