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Zu Eichstätt am 07.12.1459

Als ich mich in der Mittagszeit in Ingolstadt umher trieb, blickte ich immer wieder zu den dunkelgrauen Wolken am Himmel. Bald würde es schneien und ich musste zusehen, dass ich schleunigst nach Ansbach kam. Ich hatte keine Lust dazu, durch eine verschneite Landschaft zu ziehen und mich womöglich in einem Schneetreiben zu verirren. Nee, dazu hatte ich keine Lust.
Ich ging also auf meine Kammer, sammelte alle Sachen zusammen und packte meine Taschen. Nachdem ich damit fertig war, stieg ich nach unten in die Schankstube, um mir eine kleine Mahlzeit zu genehmigen. Zwei Frauen, Freshlime und Knoepfchen übrigens die Wirtin, taten das, was ich von richtigen Frauen auch so erwartete. Sie klatschten und tratschten, dass es mir ein Vergnügen war, ihnen zu zu hören. Ich lenkte das Gespräch auf Aliena und von Fresh erfuhr ich den Rest der Geschichte. Aliena war verstorben. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würden, dass mich das kalt ließ. Leider wußte Fresh nicht, wo Alienas Grab war. Sie kannte es nicht und konnte auch nicht mit Sicherheit sagen, ob sie überhaupt auf dem Totenacker von Ingolstadt liegen würde. Ein wenig erschüttert, was ich mir aber nicht anmerken ließ, notierte ich mir Alienas Ende. Schade, wir hatten uns immer zugesichert, uns bei einem Krug Bier wiederzusehen.
Eigentlich wollte ich anderntags, wie immer in der Früh, nach Eichstätt aufbrechen aber daraus wurde nichts, weil ich völlig verpennt hatte, weder Hunde, krächzende Krähen oder laut krähende Hähne brachten es zustande, mich zu wecken. Man oh man, dachte ich, wieder ein ganzer Tag pfutsch aber es beunruhigte mich nicht sehr. Noch schlaftrunken schlurfte ich nach unten in die Schankstube und mahlzeitete erst einmal ausgiebig. Meinen Magen bekam das gut, aber nicht meiner Reisekasse.
Wer da so alles zur Mittagszeit anwesend war, weiß ich nicht mehr so genau. Wieder wurde ich so müde, dass ich mich auf die Kammer zurück zog und den Rest des Tages auch noch verpennte.
Ich weiß nicht, wie spät es war als mich lautes Geplauder und Lachen aus dem Bett trieb. Zuerst wusste ich nicht genau, wo ich war, denn der letzte Traum schlug mich noch in seinen Bann. Da es ziemlich dunkel in der Kammer war und ich die dusselige Kerze nicht finden konnte, stieß ich überall an, fluchte vor mich hin, bis ich endlich angekleidet war.
Ich stieg hinunter und traute meinen Augen nicht, wer da so alles anwesend war. Anke, mit zwei Freundinnen wohl, unterhielt sich angeregt. Die Überraschung war wohl auf beiden Seiten und zuerst wußten wir beide nichts mit einander anzufangen.
Nach und nach trudelten auch noch weitere Gäste ein unter anderen Uladrak und Lizboa. Beide kenne ich schon seit meiner ersten Reise. Liz hatte es schwer gehabt. Nicht nur, dass sie eine Fehlgeburt hatte, sondern sie hatte auch noch ihren lieben Stricky verloren. Ich versuchte sie aufzumuntern und sie seufzte: "Wird schon, ich kämpfe mich dadurch. Habe ja noch meinen Sohn Arjen."
Uladrak sorgte mit einem seiner Kumpel, Miror oder so ähnlich hieß der, .... warum haben die Leute nur so schwer zu merkende Namen ... für Stimmung. Sie redeten wie beiläufig darüber, dass sie sich duellieren wollten. Die Weiber verstanden nicht, warum sie das tun wollten. Ich sagte nur als Begründung: "Langeweile, aus lauter Langeweile."
Nun ja, je länger der Abend dauerte, umso leichter wurde meine Reisekasse. Sei's drum, hatte ich eben leichtes Gepäck.
Für das Finale des Abends sorgten Anke, Lizboa und ich. Weil ich richtig gute Laune hatte, ich hatte ja gut geschlafen, war ich so ausgelassen und sicher auch von dem Bier angeheitert, dass mir mein Schalk zurief: "Hee, mach mal."
Ich lachte, schnappte mir Anke, drückte sie an mich und gab ihr einen langen und herzlichen Kuß. Liz war darüber so erstaunt, das sie schon das Weite suchen wollte als ich zu ihr sagte: "Willst auch einen?" Ohne auf die Antwort zu warten, tat ich es.
Anke und ich saßen dann noch eine ganze Weile allein in der Schänke und hatten erst jetzt Zeit für einander. Wir redeten und redeten und vergaßen die Zeit als die Turmuhr Schlag eins in der Nacht schlug.
Damit ging ein schöner Tag, der so ... nicht geplant war zu Ende.
In der Früh schloß ich mich Anke und ihren Freundinnen an und wir trabten gen Eichstätt.
Ich bildete die Nachhut und brauchte nur auf das Geplapper und das Kichern der Frauenstimmen zu hören.
Ohne Schwierigkeiten erreichten wir Eichstätt.