April war es geworden und überall sprießte und blühte es. Seit seiner Rückkehr von der Forschungsreise war viel geschehen. Er hatte eine Haushälterin gefunden, und das, obwohl er sich nicht sonderlich darum bemüht hatte. Helene war ihr Name, und sie war wahrlich eine tüchtige Frau. Keine Frage, er mochte sie. Sie hatte einen gründlichen Frühjahrsputz gehalten und alles, was sie hergerichtet hatte, gefiel ihm.
Er trat vor die Tür, schaute zum Himmel und den putzigen Wolken nach. Wenn er das tat, dann kroch hin und wieder jenes Gefühl in ihm hoch, das ihn an die Ferne denken ließ.
Hinaus ging es zu dem Hof, wo er seine Braune untergestellt hatte. Der Hof lag nicht weit von den Toren Ansbachs entfernt.
Bevor er das Bauernhaus erreichen konnte, musste er an einer Wiese vorbei, auf der einige Pferde standen. Auch seine Braune war darunter. Er schnalzte mit der Zunge. Das Pferd spitzte die Ohren.
„Mädel“, rief er, „komm her! Es gibt was für dich.“ Mehrfach laut wiehernd trabte die Braune heran. Er öffnete das Gatter, ließ das Pferd hinaus, verschloss es wieder, langte in eine seiner Jackentaschen und brachte einen schrumpeligen Apfel hervor, den er dem Tier entgegenhielt. Die Braune ließ sich nicht zweimal bitten und mit lautem Knirschen verschlang sie den Apfel. Bit ging voraus und das Pferd trabte hinterher.
Vor dem Bauernhaus blieben beide stehen und Bit rief nach dem Bauern. Es dauerte nicht lange, da erschien dieser. Beide unterhielten sich kurz, Bit reichte dem Bauern etwas, und nickend verschwand dieser wieder im Haus.
Bit ging auf eine große Scheune zu, öffnete sie, trat hinein und kam mit dem Zaumzeug wieder heraus. Etwas widerwillig, ihn aber immer wieder sanft mit dem Maul anstubsend, ließ die Braune das Einzäumen über sich ergehen. „Na Mädel, jetzt weißt du Bescheid, was los ist.“
Das Pferd schnaubte und trat scheinbar ungeduldig von einem Lauf auf den anderen.
Verschmitzt lächelnd langte er erneut in die Tasche und brachte zwei oder drei etwas vertrocknete Wurzeln hervor. Er gab sie der Stute zu fressen und führte sie dann, am Zaumzeug haltend, in die Scheune hinein.
Wenig später zog die Stute den Planwagen hinaus, den Bit für die nächste Reise zu brauchen gedachte. Vor seinem Haus angekommen, befestigte er seitlich am Planwagen sein Paddelboot und am hinteren Ende zwei unterschiedlich große, hölzerne Tonnen. Sodann belud er den Planwagen mit Decken, einigen Kissen und den Dingen, die er sonst noch für nötig hielt. Als der Wagen fertig beladen war, dachte er laut: „Jetzt kann der Frühling kommen. Ich bin gewappnet.“
Es war erst früher Nachmittag, als er sich auf seinen Dachboden begab. Lange war er hier nicht mehr oben gewesen, und überall hatte sich Staub auf seine Sachen gelegt. Er öffnete beide Fenster: das zum Marktplatz hin, der nun im Schatten der tiefer stehenden Sonne lag, und das nach Westen raus, durch welches warmes Licht in die Kammer fiel. Bit war so fasziniert von diesem Licht- und Schattenspiel, dass er auf einmal wieder Lust verspürte, zu musizieren. Seit jenen Tagen im Winter, als er die vielen Kinder bei sich aufgenommen hatte, hatte er die Guitarra von Tibor – die deutlich besser klang als seine eigene, die er in Valencia geschenkt bekommen hatte – nicht mehr angerührt.
Leise spielte er die „Reiseimpressionen“. Ein Stück, welches er in Katalonien gelernt hatte. Sein Blick wanderte dabei verträumt zum westlichen Fenster hinaus.
Simplicius, A.D. April 1460